Autismus? Was'n das?

"Asperger-Syndrom", "Kanner-Syndrom" bzw. "Frühkindlicher Autsmus", "A-Typischer Autismus", "HFA"...

Namen gibt es mehrere, inzwischen werden diese zusammengefasst und als "Autismus-Spektrum-Störung" bezeichnet. Das hat den Vorteil, dass es keine eindeutige Zuordnung mehr geben muss, denn die Übergänge sind fließend, die Ausprägungen der Symptome können schwanken, variieren und sich verändern.

 

Im ICD-11-Entwurf findet man die “Autismus-Spektrum-Störung” unter “Psychische und Verhaltensstörungen” in der Kategorie “Neurologische Entwicklungsstörungen”.

 

Dort findet man folgende Definition der “Autismus-Spektrum-Störung”:

"Autismus-Spektrum-Störungen sind gekennzeichnet durch bleibende Defizite in der Fähigkeit, reziproke soziale Interaktion und soziale Kommunikation zu initiieren und aufrechtzuerhalten, und durch eine Reihe von eingeschränkten, repetitiven und unflexiblen Mustern an Verhaltensweisen und Interessen. Die Störung beginnt im Entwicklungsalter, typischerweise in der frühen Kindheit, aber die Symptome werden möglicherweise erst später sichtbar, wenn die sozialen Anforderungen die begrenzten Fähigkeiten übersteigen. Die Defizite sind so schwerwiegend, dass sie zu Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen führt und meist eine tiefgreifende Besonderheit der Funktionsweise des Individuums darstellt, die in allen Lebensbereichen sichtbar ist, obwohl sie sich je nach sozialem, schulischem oder anderem Zusammenhang anders darstellen kann."

 

Darüber hinaus gibt es dort einige Synonyme und Unterpunkte, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Wer es ganz genau wissen möchte, darf ich auf die Seite Autismus-Kultur verweisen, dort sind die Diagnosekriterien nach ICD sehr detailliert beschrieben.

 

Die Frage, die man sich vielleicht eher stellen sollte ist, wie man mit Begrifflichkeiten wie "Störung", "Behinderung", "Krankheit" usw. umgehen möchte.

 

Was man ausschließen kann ist die Bezeichnung "Krankheit/ Erkrankung", denn man erkrankt nicht an Autismus, was auch eine "Heilung" ausschließt. Punkt, Thema beendet.

 

"Behinderung" wird gerne je nach Befindlichkeit geduldet oder auch bewusst von Autisten gewählt, dann nämlich, wenn man sich durch die Umwelt behindert fühlt, oder aber die eigenen Defizite als einschränkend wahrgenommen werden. Dies sollte aber jeder für sich entscheiden dürfen, ob er das so empfindet oder nicht. Ich jedenfalls möchte nicht von außen per se als behindert betitelt werden.

 

Das Wort "Störung" hat einen bitteren Beigeschmack, denn es richtet den Blick auf Defizite, wo evtl. gar keine sind. Kein Mensch möchte gerne als "gestört" wahrgenommen werden.

"Entwicklungsstörung", "Kommunikationsstörung", "Wahrnehmungsstörung"...

Kritisch sehe ich den Begriff dort, wo er von irgendjemandem aus dem Zusammenhang gerissen und für die Definition von Normen gebraucht wird. Wann ist man gestört?

 

Wenn man von seinem Chef für einen Fehler gemaßregelt wird, wird man mit Sicherheit keinen direkten Augenkontakt aufnehmen sondern den Blick abwenden.

Wenn man in einer Situation unsicher ist, stellt man sich sicher auch nicht mitten in den Raum und erzählt frei von der Leber weg, wer man ist und was man alles kann.

Damit möchte ich nur verdeutlichen, dass es Situationen gibt, in denen diese "Störungen", wie sie Autisten nachgesagt werden, eher zu natürlichen Verhaltensweisen gehören. 

Also sollte man alles im Kontext betrachten.

 

Wann braucht man als Autist Unterstützung und Hilfestellungen, welche Barrieren sollten beiseite geräumt werden und wo kommt man sehr gut allein zurecht? Das wären für mich die relevanten Diagnosekriterien, und ich wünsche mir, dass in diesen Begebenheiten mit mir und nicht über mich gesprochen wird.

Die individuellen Empfindungen und Erfahrungen finden sie unter

Autist sein.