Übergang Schule -Beruf

 

  (Teil I)

 

Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen“?

 

Nicht, dass ich an dieser Stelle irgendjemanden entmutigen möchte, aber, die Schwierigkeiten hören mit dem Erwachsen-Werden nicht auf und nur, weil man die Schulzeit hinter sich gebracht hat, läuft nicht alles wie geschmiert.

 

Aus kleinen Autisten werden erwachsene Autisten – logisch – und auch diese haben in den unterschiedlichsten Bereichen ihre Probleme, die sogar ein Leben lang bleiben können.

 

Nun ist also das autistische Kind am Ende der Schullaufbahn angekommen und man stellt sich die Frage: „Wie soll es denn nun weiter gehen?“

 

Ein neuer Lebensabschnitt steht bevor, und schon alleine diese Tatsache kann Ängste hervorrufen, mit denen man vielleicht als Nicht-Autist gar nicht rechnet.

 

So empfehle ich in all diesen Zeitabschnitten eine engmaschigere Betreuung, durch einen Kinder- und Jugendpsychologen, durch eine gut geführte Gruppe, die Sozialkompetenztraining anbietet, durch den Austausch mit anderen Eltern oder auch erwachsenen Autisten.

 

Welche Möglichkeiten gibt es nach der Schule?

 

Das ist immer abhängig davon, welche Schule man besucht hat, wie reif und selbstständig jemand ist (im sozialen, im emotionalen und im organisatorischen Bereich), und ob es bereits Vorstellungen zum Berufsleben gibt oder nicht.

 

Mit einem üblichen Schulabschluss (Mittelschul- und Qualifizierter Mittelschulabschluss, Realschulabschluss, Fachhochschulreife und Abitur) stehen theoretisch alle Wege offen, wie bei Nicht-Autisten auch. Man kann sich auf dem sogenannten 1. Arbeitsmarkt umsehen, evtl. wurden in der Schulzeit bereits Praktika gemacht, die die Neugierde für einen bestimmten Beruf geweckt haben, und sich um einen Ausbildungsplatz bemühen. Dies beginnt man sowieso schon während des letzten Schuljahres.

 

In der Agentur für Arbeit gibt es Beratungsstellen, die einem bei der Berufsfindung helfen können, hierbei seien für Autisten vor allem die Reha-Stellen erwähnt.

 

Ist man sich noch nicht sicher, in welchem Berufsfeld man arbeiten möchte, oder fehlt noch die Stabilität, sich an eine Ausbildung heran zu wagen, gibt es berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB). Diese Dauert idR ein Jahr, in dem man einerseits heraus finden kann, in welche Richtung es beruflich einmal gehen kann, andererseits wird hier aber auch durch Theorie und Praxis vermittelt, was es dafür alles braucht, die Jugendlichen sind hier noch in einem betreuten Rahmen und werden u.a. von Bildungsbegleitern unterstützt. Es werden Praktika vermittelt, an Bewerbungsunterlagen gearbeitet und Vorstellungsgespräche trainiert. Hier kann festgestellt werden, ob und in welchem Umfang man für welchen Arbeitsmarkt geeignet ist.

 

Ob eine BvB nun unbedingt auf Autisten ausgelegt sein muss, möchte ich an dieser Stelle und aus persönlichen Erfahrungen nicht beurteilen. Fakt ist allerdings: Nicht alle Angebote, die für Autisten ausgeschrieben sind, eignen sich auch wirklich für alle Autisten. Manche Jugendliche lehnen es auch ab, ausschließlich unter anderen Autisten zu sitzen, können sich selbst nicht mit ihrer Diagnose identifizieren und wollen es in einem gemischten Rahmen versuchen. Diese Einstellung ist zu akzeptieren und keiner hat das Recht, einen Autisten dazu zu überreden, speziell für Autisten eingerichtete Maßnahmen anzunehmen, weil – wie oft argumentiert – dort die „Fachkräfte“ sitzen, die „sich auskennen“. Die Realität zeigt, dass dem nicht immer so ist, wodurch manchmal mehr Schaden als Nutzen entsteht.

 

Eine weitere Möglichkeit, ein Jahr zwischen Schule und Ausbildung zu überbrücken und weiter zu reifen ist ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Der Unterschied zum BvB liegt darin, dass man hier bereits eine Wahl getroffen hat, in welches Berufsfeld man gehen möchte. Man wird in Theorie und Praxis vorbereitet, gleichzeitig aber auch hierbei noch mehr betreut. Es gibt Schulsozialarbeiter, die einen bei Fragen oder Unsicherheiten zur Seite stehen und beraten.

 

Anbieter einer BvB oder eines BVJ können z.B. Berufsbildungswerke (BBW) oder auch (Förder-)Berufsschulen sein. Diese gibt es für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen oder Förderschwerpunkten.

 

Das Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) ist ein Angebot für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden. Man kann das EQJ mit einem Praktikum vergleichen, nur dass es klarere gesetzliche Regelungen gibt. Im EQJ ist zum Beispiel eine Vergütung gesetzlich vorgeschrieben. Auch die mögliche Dauer des EQJ ist gesetzlich festgelegt. In einem EQJ arbeitet man in einem Betrieb, sammelt dort Praxiserfahrung und im besten Fall wird man nach Abschluss des halben oder ganzen Jahres als Auszubildender übernommen.

 

Neben dem 1. Arbeitsmarkt gibt es den (umgangssprachlich) 2. Arbeitsmarkt. Dieser beinhaltet Integrationsfirmen/-betriebe/-unternehmen, die zwar wirtschaftlich ebenso ihre Ziele verfolgen, dafür aber im höheren Maße Menschen mit Behinderungen beschäftigen. Sie erhalten öffentliche Fördermittel und haben u.a. zum Ziel, Arbeitslosigkeit zu verhindern oder aber auch den Übergang in den 1. Arbeitsmarkt zu erleichtern bzw. zu ermöglichen.

 

Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM): ist eine Einrichtung zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben. Personen, die wegen der Art oder Schwere ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, erhalten hier eine angemessene berufliche Bildung und eine Beschäftigung. Die Werkstätten ermöglichen es ihnen, ihre Leistungsfähigkeit zu entwickeln, zu erhöhen oder wiederzugewinnen und ein Arbeitsentgelt zu erzielen... (Quelle: BAG: WfbM 2016).

 

 

 

Unterstützungsmaßnahmen:

 

Wie in der Schule den Schulbegleiter, gibt es während einer Ausbildung eine Ausbildungsassistenz. Zu erwähnen sei, dass es kein einheitliches Ausbildungsmodell für Assistenten gibt, und ob man zueinander passt ist wie immer sehr individuell. Auch, ob sich jemand findet, ist leider nicht immer gewährleistet. Beratend zur Seite stehen hier wieder die Reha-Stellen der Agentur für Arbeit.

 

Teilzeitausbildung: Manche Autisten können es nicht leisten, von montags bis freitags durchzuarbeiten, um somit auf eine etwa 37-Stunden-Woche zu kommen. Vielen ist es schon schwer gefallen, täglich von 8-13 Uhr und länger in der Schule auszuharren, hatten immer wieder Fehltage, einfach, weil sie diese zur Erholung brauchten ein Wochenende häufig nicht ausreicht.

 

Und wenn nach der Schule erstmal gar nichts mehr geht? Bitte beachtet die Schulpflicht. Diese ist in den einzelnen Bundesländern nicht immer gleich geregelt, dennoch verpflichtet sie eine bestimmte Zeit, die allgemeine und schließlich eine Berufsschule zu besuchen. (In Bayern z.B. sind dies, unabhängig vom Alter, insgesamt zwölf Jahre). Mit einer BvB oder einem BVJ, sofern erfolgreich abgeschlossen, ist die Berufsschulpflicht erfüllt. Tritt man allerdings eine Ausbildung an, verpflichtet man sich auch hierfür wieder zum Besuch einer Berufsschule.

 

Wenn es einem Autisten aber nach der Schule gar nicht gelingt, sich auf Neues einzulassen, oftmals spielen hier schwere Angststörungen, Depressionen oder auch Selbstverletzendes Verhalten eine große Rolle, gibt es die Möglichkeit, die Berufsschulpflicht auszusetzen („Ruhen der Berufsschulpflicht“), sofern die Voraussetzungen erfüllt sind („Vorliegen eines Härtefalls“). Zur Beantragung werden einige Unterlagen eingefordert, z.B. medizinische und/oder psychologische Gutachten, ggf. eine Stellungnahme der zuletzt besuchten Schule, und manches mehr. Zuständig hierfür ist das Referat für Bildung.